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Ruth-Maria Gleißner: Der unpolitische Komponist als Politikum. Die Rezeption von Jean Sibelius im NS-Staat.

Geisler, Ursula LU (2003) In Svensk tidskrift för musikforskning1919-01-01+01:002014-01-01+01:00 85. p.89-91
Abstract (Swedish)
Abstract in German

Durch ihren übergreifenden Zeitrahmen verweilt die Autorin nicht bei einer spezifischen historischen Situation, sondern bettet die Sibelius-Rezeption in einen größeren Kontext ein. Der Titel schränkt daher den Blickwinkel unnötig ein, da sich fast ¼ der Arbeit nicht mit der NS-Zeit beschäftigt, sondern als notwendiges Korrelat zur NS-Rezeption auch die Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre behandelt. Dies sind die spannenden Aspekte: wie und warum änderte bzw. änderte sich eben nicht die Sichtweise auf Sibelius nach der Erfahrung der nationalsozialistischen Funktionalisierung und Instrumentalisierung?! Welche Faktoren führten zu einer länger anhaltenden deutschen Sibelius-Rezeption als sie z.B. für Yrjö... (More)
Abstract in German

Durch ihren übergreifenden Zeitrahmen verweilt die Autorin nicht bei einer spezifischen historischen Situation, sondern bettet die Sibelius-Rezeption in einen größeren Kontext ein. Der Titel schränkt daher den Blickwinkel unnötig ein, da sich fast ¼ der Arbeit nicht mit der NS-Zeit beschäftigt, sondern als notwendiges Korrelat zur NS-Rezeption auch die Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre behandelt. Dies sind die spannenden Aspekte: wie und warum änderte bzw. änderte sich eben nicht die Sichtweise auf Sibelius nach der Erfahrung der nationalsozialistischen Funktionalisierung und Instrumentalisierung?! Welche Faktoren führten zu einer länger anhaltenden deutschen Sibelius-Rezeption als sie z.B. für Yrjö Kilpinen oder Armas Järnefeldt konstatiert werden kann. Ihnen wurde in der NS-Zeit ebenfalls als „nordischen“ bzw. „nordeuropäischen“ zeitgenössischen Komponisten viel Aufmerksamkeit entgegengebracht, ohne daß sich ihr Erfolg mit dem Sibelius’ oder Griegs auf Dauer vergleichen ließe.

Da Gleißner ihre Arbeit als „musikwissenschaftliche Betätigung im Bereich der historisch-politischen Rezeptionsforschung“ (21) verstanden wissen will, begibt sie sich in das Überschneidungsgebiet der Disziplinen. Sich mit der Rezeption eines spezifischen Komponisten auseinandersetzen heißt gleichzeitig, sich auf die Prämisse einzulassen, spezifischen Individuen einen besonderen Status zuzugestehen, der wissenschaftlich auch als solcher berücksichtigt werden sollte., ist auch die Folge der Genialisierung einzelner Künstlerpersönlichkeiten der romantischen Rezeption des 19. Jahrhunderts. Auch die Musikwissenschaften haben in ihrer methodologischen und theoretischen Ausrichtung dazu beigetragen, daß gerade Komponisten dieser Status selbstverständlicher als anderen zugestanden wird, was in die Arbeit als selbstreflexive Positionsbeschreibung hätte mit einfließen können. (Less)
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published
subject
keywords
Music, Musik, Musikvetenskap, Musicology
in
Svensk tidskrift för musikforskning1919-01-01+01:002014-01-01+01:00
volume
85
pages
89 - 91
publisher
Svenska samfundet för musikforskning
ISSN
0081-9816
language
German
LU publication?
yes
id
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date added to LUP
2007-07-25 16:16:54
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2016-11-15 10:03:29
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Durch ihren übergreifenden Zeitrahmen verweilt die Autorin nicht bei einer spezifischen historischen Situation, sondern bettet die Sibelius-Rezeption in einen größeren Kontext ein. Der Titel schränkt daher den Blickwinkel unnötig ein, da sich fast ¼ der Arbeit nicht mit der NS-Zeit beschäftigt, sondern als notwendiges Korrelat zur NS-Rezeption auch die Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre behandelt. Dies sind die spannenden Aspekte: wie und warum änderte bzw. änderte sich eben nicht die Sichtweise auf Sibelius nach der Erfahrung der nationalsozialistischen Funktionalisierung und Instrumentalisierung?! Welche Faktoren führten zu einer länger anhaltenden deutschen Sibelius-Rezeption als sie z.B. für Yrjö Kilpinen oder Armas Järnefeldt konstatiert werden kann. Ihnen wurde in der NS-Zeit ebenfalls als „nordischen“ bzw. „nordeuropäischen“ zeitgenössischen Komponisten viel Aufmerksamkeit entgegengebracht, ohne daß sich ihr Erfolg mit dem Sibelius’ oder Griegs auf Dauer vergleichen ließe. <br/><br>
Da Gleißner ihre Arbeit als „musikwissenschaftliche Betätigung im Bereich der historisch-politischen Rezeptionsforschung“ (21) verstanden wissen will, begibt sie sich in das Überschneidungsgebiet der Disziplinen. Sich mit der Rezeption eines spezifischen Komponisten auseinandersetzen heißt gleichzeitig, sich auf die Prämisse einzulassen, spezifischen Individuen einen besonderen Status zuzugestehen, der wissenschaftlich auch als solcher berücksichtigt werden sollte., ist auch die Folge der Genialisierung einzelner Künstlerpersönlichkeiten der romantischen Rezeption des 19. Jahrhunderts. Auch die Musikwissenschaften haben in ihrer methodologischen und theoretischen Ausrichtung dazu beigetragen, daß gerade Komponisten dieser Status selbstverständlicher als anderen zugestanden wird, was in die Arbeit als selbstreflexive Positionsbeschreibung hätte mit einfließen können.},
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